Also heute ist es soweit, auf zum Wasserfall Wie immer kommen wir ein bisserl zu spät weg, also fahren wir einfach mit dem nächsten Bus. In der Herberge hieß es ein Guide namens Mauricio würde dort auf uns warten, wir sind angemeldet.
Die nette Señorita sagt mir auch noch, ich soll ordentliche Schuhe mitnehmen...
Gut, der öffentliche Bus fährt pünktlich und bringt uns durch sagenhaft grüne Vegetation zum Schild „Wasserfall“.
Wir steigen aus, gehen an einem kleinen Fluss entlang zu einem Campingplatz. Der Junge dort sagt uns, Mauricio sei heute nicht da. Mehr ist aus ihm nicht herauszukriegen, zumindest nicht, wenn man nicht 100% Spanisch kann.
Ich bin nun nicht baff, ich hatte so was schon viel früher erwartet. Aber am anderen Ufer sind noch ein paar Huettchen. Also wieder zurück und beim Nachbarn nachfragen, irgendwo muss sich der mysteriöse Mauricio doch versteckt haben.
Eine nette Señora kommt uns gleich entgegen, Mauricio würde weiter vorne auf uns am Weg warten. Er hatte heute schon Kunden.
Also gut, wir machen uns also auf erst entlang des Baches hinauf, am Horizont hoch oben blitzt schon der Wasserfall und kündet einen anstrengenden Aufstieg an.
Bald verlässt der Weg den Fluss und wir rutschen im Matsch immer weiter hoch. Mir bleibt bald mal die Puste weg. Schwüle Hitze und keine Kondition sind keine guten Partner für einen Fußmarsch hier. Eigentlich wollte ich in Pakistan in den letzten Wochen noch meine Kondition ein bisschen aufbessern, aber leider kam mir ein Husten dazwischen...
NA egal, am halben Weg treffen wir Mauricio der uns zum Kollegen weiter oben verweist. Juan erwartet uns dort oben, was nicht ganz oben ist... wir sind nicht ganz auf halber Höhe und ein bisserl enttäuscht, dass es von hier unten losgehen soll...
Ich sehe mich nach der Ausrüstung um – Seile, Sicherungen, Neoprenanzug, Handschuhe, Schuhe, Helm und solche Dinge. Juan hält mir schon den Sicherungsgurt hin zum einsteigen. Ich schaue ihn fragend an... Mit der Hose? Mit meinen Trekkingschuhen? Das Zeug wird doch sicher pitschnass. Er meint was ich ausziehe sei meine Sache, nur nicht die Schuhe...
Gut dass ich schon die Badehose an hatte, mit der und Leibchen mach ich mich fertig. Den Rest will er im wasserdichten Sack runter bringen. Na dann... Der Guide erklärt oder besser deutet uns (wegen der Sprache..) wie wir das Seil zu halten oder lockern haben, was wir mit den Fuessen tun sollen und schon gehts los.
Ich denk mir erst das geht ganz einfach, kann nicht viel anders sein wie beim Klettern.
Dann kommen mir meine rutschigen Schuhe, die zwar zum Trekken super sind, aber auf rutschig nassen senkrechten Felsen eher nicht so wirklich. Oder so dachte ich. Nun ist mir ein bisschen mulmig. Ich versuche mal das Seil von hinten zu lockern um ein wenig zu spüren wie es ist wenns nachlässt und zieh mir fast den Arm aus. Nun bin ich sicher, dass ich das nicht schaffe. Wenns schon am Anfang so schwer geht, was mach ich dann in der Mitte.. Aber dann seh ich unten den Hilfsguide stehen, der ‚sichert’ und mit aller Kraft am Seil spannt. Ach ja, der sollte wissen dass ich nicht so stark wie er bin. Es geht auch bald. Dann hab ich wieder Gedanken wegen der Schuhe... Das Wasser prasselt auf meinen Helm, ich bin schon so weit dass Umdrehen nicht mehr geht.
Die ersten paar Meter war ich sicher dass ich abstürzen werde, entweder weil die Schuhe rutschen, oder mir die – eh nicht vorhandene – Kraft ausgeht... Ich seh genau gar nicht wo meine Füße sind durchs Wasser ...
Die Schuhe erweisen sich als genügend, manchmal ists ein wenig kalt und hart vom Wasser das auf meine Oberschenkel drischt... aber jeder Meter gefällt mir besser und im Gegensatz zum Anfang, wo ich hoffte dass es nur ganz kurz dauert, wünsch ich mir nun, dass es noch höher wäre
Unten angekommen grinst der Hilfsguide, ich hab sicher den Langsamkeitsrekord aufgestellt, aber macht nix. Ich will nochmal!!!
Das ist nicht drin, aber dafür ein Bad im Wasserfall...
Mit jedem Tempi ein bisschen näher zum Wasserfall... Die Gischt sprüht mir ins Gesicht, ich juble, sooo schön.. rund herum kleine Hoehlen im Fels, alles was nicht ganz senkrechter Stein ist, ist überwuchert von allen möglichen Pflanzenarten... Ein Zelt hier aufschlagen, das waers...
Als es dann doch zu kalt wird machen wir uns auf den Rückweg, völlig nass natürlich, außer meine Hose und Franz’s Hemd...
Ich geh barfüßig, ich mag das Gequatsche der nassen Schuhe nicht... Der Regen von oben bleibt heute allerdings netter weise aus. Bis jetzt hat es jeden Tag geregnet, zumindest ein bisschen. Ich musste mir ja die Regenzeit zum Reisen aussuchen... aber macht nix, nächsten Monat ist Mai, und vielleicht wachse ich ja noch ein wenig. Mairegen soll dabei ja angeblich helfen...
Im Bus gehts dann wieder zurück und der Nachmittag wird nun endlich dem Blogschreiben gewidmet. Vorher und zwischen durch besuchen wir noch den netten Marktplatz, Jung und Alt sitzt dort in harmonischem Durcheinander um den Springbrunnen, am Abend fahren ein paar Jungspunde mit großen Autos mit noch groesseren Lautsprechern und Woofern im Kreis um den Platz und erfreuen die frühen Nachtschwärmer mit lauter Musik... Die hintere Tür weit aufgespreizt, damit kein Dezibel verloren geht..
Franz erzählt mir aus Venezuela, wo es davon noch viel mehr gegeben hat, die bis 4 Uhr früh diesem Hobby frönten.. Da bin ich wieder mal froh – hab zu zählen aufgehört wie oft nun schon – in Kolumbien zu sein.
Dieses Land scheint echt eine Ausnahme zu sein..
348 wfall

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