Nach all dem Abenteuersport wollen wir ein bisschen wandern. Es soll ganz schoene Doerfchen geben, also machen wir uns auf den Weg in eines von ihnen per Bus. Der Bus wie immer puenlktlich, nur wir nicht, also warten wir auf den naechsten...
Am Weg nach Cabrera, dem ersten dieser lieblichen Doerfchen spuert man schon die laendliche Ruhe und das ganz eigene Tempo. Erst wird mal ordentlich eingepackt, immerhin ist Sonntag und Markttag in San Gil, also hat so ungefaehr das ganze Dorf die noetigen Kleinigkeiten fuer die naechste Woche eingekauft und das muss nun alles in den Bus. Das geht auch ganz gut. Der Busfahrer liefert an einigen Haeuschen am Weg noch ein paar Sachen ab fuer Leute die nicht die Gelegenheit hatten, selbst zum Markt zu fahren.
In Cabrera erwartet uns ein verschlafener Marktplatz, ein paar angebundene, gesattelte Pferde... Dorfleben in Kolumbien, wahrscheinlich ganz aehnlich wie auch sonst wo auf der Welt.
Wir machen uns auch bald auf den Weg, der gleich mal einen ordentlichen Huegel hinauffuehrt – eh klar, am Kreuweg entlang. Wieviele Stationen hat so ein Kreuzweg? Hab ich wohl im Religionsunterricht nicht aufgepasst. Ich wuensche mir jedenfalls bei jeder, dass die nun die vorletzte ist – den die letzte ist wohl hoffentlich ganz oben am Berg. Ich muss mir eingestehen, dass die Trekkingguide-Zeiten vorbei sind und meine Kondition in Islamabad nicht wirklich auf Hochform geblieben ist. Woher auch.. Nichtstun hilft den Wadeln nicht wirklich...
Ich krieche also langsam und nicht so stetig den Berg hinauf... keuche und schwitze, weil es auch schon ziemlich heiss ist, wir sind genau in die Mittagshitze gekommen. Gnadenlos brennt die Sonne runter, und die ist doch sehr warm hier.
Nach unendlich langer Zeit – ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es nur mir so lange vorkam – bin ich endlich oben, und von dort gehts dann gut einfach bergab aber nicht zu steil weiter bis nach Barichara, dem naechsten Dorf am Plan.
Angeblich soll es ja eines der schoensten Doerfchen Kolumbiens sein, na schau ma mal... Wenns eine Dusche gibt bin ich schon froh.
Aber es erwartet uns eine viel bessere Ueberraschung. Erst marschieren wir bei den unverzichtlichen Huehnerfarmen, dann bei ein paar Geiern, die uns hungrigen Augens hoffnungvoll anstarren,
Auf dem angrenzenden Fussballfeld reiten ein paar Jungs ohne Sattel auf Mutterstuten, hinten drein springt das Fohlen. Laendliche Idylle...
Nur noch ein paar Schritte weiter ueber eine malerische Bruecke und wir sind in Barichara. Und tatsaechlich, wunderschoen... Kleine weisse Haeuschen mit gruenen und blauen Fenster- und Tuerrahmen..
Das gemuetliche Zimmer ist bald bereit, hat sogar eine Toilette dabei in der das Wasser laeuft wenn man es aufdreht, und es laeuft sogar beim Hahn raus... nicht irgendwo bei einer undichten Leitung. Wahnsinn.... Ich bin schon wieder baff.... Ich sollte mir mal ein anderes Wort ueberlegen, aber das waere SPRACHLOS...
Nun auf zur Dorfrunde, die Hauptstrasse endet natuerlich am Marktplatz, an dessen Ende natuerlich die Kirche thront. Ein wenig weiter ist noch eine kleine Kapelle... Schlicht und einfach, leider schon zu um diese Zeit... ist ja schon ein bisschen finster...
Ein Restaurant ist auch daneben, mit Hauspapagei und exzellentem Essen, vor allem die Paella... Der uebliche Innenhof ist wunderschoen hergerichtet, mit Blumen an den Waenden, robusten, stilvollen Holzbaenken und Tischen...
Der Wirt ist besonders lieb mit seiner Wirtin, wir raetseln ein bisschen die wievielte Wirtin es nun sei, da sie frisch verliebt wirken und nicht mehr ganz so jung... Zum Abschied sagt er stolz: „Heute ist unser 34. Hochzeitstag...“ So romantisch...
Dann gehts zurueck ins Zimmer, damit wir fruehmorgens weiter marschieren koennen...
